Mein schattenfreies Gewand

Vor einigen Monaten habe ich begonnen, mich des Öfteren beim Kleider Shoppen zu fragen, was es mit der Herkunft des anprobierten Stückes auf sich hat. Schlechte Arbeitsbedingungen, Bangladesch und andere Thematiken geisterten in meinem Kopf herum. Auch im Zuge der tierversuchsfreien Kosmetik, die mir schon länger ein Herzensthema ist, stolperte ich über die Problematik unseres herkömmlichen Kleiderkonsums.

Ich begann, mich zu informieren und als ich neulich einen „ethischen Einkaufsführer“ in die Hände bekam, habe ich diesen sofort gekauft (1). Nun bin ich stolze Besitzerin dieses wundervoll übersichtlichen Taschenguides und begeistert, darin neben Kleidung, auch unzählige andere Lebensbereiche vertreten zu sehen. Und ich erhielt zahlreiche Informationen, weshalb es aus unterschiedlichen Perspektiven besser ist, sich eingehender mit unserem herkömmlichen Konsumverhalten (in diesem Artikel dem Kleiderkonsum) auseinanderzusetzen:

Soziale Hintergründe
Leider wird ein Großteil der Kleidung in Schwellenländern produziert. Hierbei sind vor allem asiatische Länder zu nennen, in denen Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen und für unglaublich wenig Lohn die Nähmaschine bedienen, nur damit wir preiswert und am besten auch noch jede Saison unsere Garderobe mit neuen Teilen aufrüsten können. Es handelt sich nicht nur um günstige Läden, die hinter dem geblümten Vorhang in asiatischen Ländern produzieren lassen, sondern um die meisten der uns bekannten und zahlreich besuchten Geschäfte. So finden sich etwa New Yorker, Pimkie, Mango, Zara, Esprit, S.Oliver, Forever21, und jene Geschäfte, in denen ich bisher vorrangig meine Kleidungsstücke ergattert habe, nicht auf der fairen Liste des besagten Einkaufsführers.

Klar, von Skandalen hatte ich vereinzelt schon gehört, wahrscheinlich so gut wie jeder von uns. Doch war ich dann schon tief betroffen, als ich bei meinen nächsten Einkaufstouren genauestens die „Markerl“ am jeweiligen Kleidungsstück auf das Herkunftsland überprüfte. Die immer reicher genährten Kopfgeister, die ich bisher noch besänftigt hatte, führten, bestätigt in dem was sie mir bisher zugeflüstert hatten, vor meinem inneren Auge einen Siegestanz auf und ließen in mir ein immer stärkeres Unbehagen entstehen.

Das Tierleid
Ein weiterer, nicht zu verdrängender Punkt ist das hinter der (herkömmlichen) Kleiderindustrie steckende Tierleid.

Dass Pelze einen berechtigt schlechten Ruf haben, ist mittlerweile allseits bekannt. So werden Tiere zur Gewinnung von Pelz in China, dem Haupt-Produktionsland für Pelze, nach einem qualvollen Leben in engen Gitterkäfigen bei lebendigem Leib gehäutet.

Weithin weniger bekannt ist: Auch zur Gewinnung von Daunen werden Gänse aus Intensivhaltung bei vollem Bewusstsein gerupft. Jene Gänse, die häufig auch noch für Stopfleber zusätzlich schwerst misshandelt werden.

Zur Gewinnung von Wolle, vor allem von Merinowolle aus Australien, wird an den Tieren das sog. „Mulesing“ praktiziert. Dabei wird ihnen ohne Narkose der Schwanz und das umgebende Fleisch tellergroß herausgeschnitten (2). Damit soll Parasitenbefall in den Hautfalten vorgebeugt werden, um einen möglichst großen Ertrag „einwandfreier“ Wolle zu erhalten. Zur Gewinnung von Angorawolle, dem Fellkleid der Angorakaninchen, welches wiederum großteils aus China stammt, werden die Kaninchen 3-4mal im Jahr brutal gerupft und danach in engen Käfigen, wo sie ihr elendes Dasein fristen, ihren schweren Fleischwunden überlassen.

Der ökologische Faktor
Natürlich weist Kleidung, die nicht den ganzen Weg von Asien nach Europa zurückgelegt hat, eine weitaus geringere CO2-Bilanz auf. Der enorme Pestizid- und Düngemitteleinsatz beim Anbau herkömmlicher (nicht Bio-) Baumwolle belastet zudem stark die Umwelt. Auch der Mensch, der das Kleidungsstück trägt, kann mit Allergien auf die im Stoff verbliebenen Pestizide, oder im Fall von Leder auf die zur Gerbung verwendeten Chemikalien reagieren. Entgegen dem Glauben vieler, Leder sei ein Abfallprodukt der Fleischindustrie, ist dies nicht der Fall. Die Zustände der Tiertransporte und Schlachthöfe zur Gewinnung von Leder sind verheerend. Zur Instandhaltung und Vermehrung der Rinderfarmen werden auch noch Regenwälder gerodet.  Lederabfälle sind außerdem kein Naturprodukt, sondern ein Fall für den Sondermüll.


Licht auf die Alternativen

Für mich ist der Schatten, den meine gekaufte Kleidung auf die Erde und auf meine Mitlebewesen wirft groß genug,  um mich nach Alternativen umzusehen.

Bei Materialien, die im Winter warm halten können, treffe ich hier auf Hanf, welcher sich neben zahlreichen anderen Verwendungen innerhalb der nachhaltigen Kleiderindustrie, zur Herstellung von warmen Mänteln wundervoll eignen soll; sowie auf die Pflanzendaune Kapok als ausgezeichnet wärmendes Füllmaterial (3). Zudem lese ich in dem nachhaltigen Einkaufsführer in Bezug auf faire Kleidung über Stoffe aus Bio-Baumwolle, Bio-Leinen, Lyocell, Bambus, Soja, Mais und Ramie. Alternativen scheint die Pflanzenwelt also ausreichend zu bieten.

Doch was sind die Alternativen zu besagten Geschäften, die ich, nun da ich Bescheid weiß, welches Spiel sie treiben, in ihrem Wirtschaften nicht weiter unterstützt möchte? Zu meinem Erstaunen (bisher war ich wohl einfach innerhalb gewohnter Wege unterwegs gewesen) sind diese zahlreich vorhanden, wenn man nur weiß, wo!

Besonders entlang der Mariahilferstraße sind etliche faire Läden angesiedelt. Auf diesem von mir gestalteten Plan siehst du, wie vielfältig die Auswahl rund um die Mariahilferstraße ist. Bei Dancing Shiva kannst du dich zusätzlich zum Kleiderkauf mit einem veganen Snack stärken. 

Dass Nachhaltigkeit auch vor edlen Dessous oder kessen Badeanzügen nicht Halt macht, zeigt etwa der Shop Amour Fou in der Barnabitengasse (siehe Plan). Die liebe Inhaberin berät hier gern (und rät auch mal von einem Stück ab, das weniger gut sitzt). Auch kleine Oberweiten werden hier in anschmiegsamem Material und in ausgefeilten Schnitten des Labels Aikyou feminin zur Geltung gebracht.

Aber auch andere Bezirke beherbergen nachhaltige Läden. Einen eigenen Besuch ist definitiv der Muso Koroni in der Josefstädterstraße wert. Hier finden sich neben Kleidung (hier auch lederfreie, fair produzierte Schuhe) außerdem Bio-Kosmetik und Accessoires.

Was mir allerdings schmerzlich aufgefallen ist: Das gute Gewissen hat großteils seinen Preis. Wem die Läden zu teuer sind, empfehle ich daher preisgünstige Alternativen. Diese können hochwertige Second Hand Shops bieten, z.B. Humana, oder das Veranstalten von Kleidertauschparties mit Freunden, Verwandten, oder auch im größeren Rahmen. Das Beiwohnen einer bereits (z. B. von Top Swap) organisierten Kleidertauschveranstaltung kann zudem ein spannendes Erlebnis sein.

Wer sich gern mal selbst kreativ ausprobieren möchte, kann vorhandenem Alten auch neues Leben einhauchen: So können Männerhemden als originelles Frauenkleid wieder auferstehen. Das Label Milch macht‘s vor. Und zahlreiche Youtube-Channels. Upcycling-Läden, die sich diesem kreativen Prozess verschrieben haben sind: Y5 Vienna (Yppenplatz 5), Un-Modern (Burggasse 88), Printa (siehe Plan), u.v.m. Hier finden sich oftmals auch einzigartige Accessoires, Taschen, coole Geschenke oder Wohndeko.

Ein Tipp, der nicht nur die Umwelt, sondern auch das Börserl schont: Weniger ist mehr! Vielleicht dann doch lieber ein paar hochwertige und faire Teile erwerben, die sich super kombinieren lassen, als jede Saison zehn neue Fetzen, mit schlechter Entstehungsgeschichte. Die dadurch gewonnene Zeit, die sonst in der Früh vor dem randvollen Kleiderschrank mangels zusammenpassender Stücke verbracht wird, kann bestimmt auch wertvoller gelebt werden 😉

Und noch ein letzter Rat fürs erste Auskundschaften der nachhaltigen Szene: Nicht gleich aufgeben! Vielleicht erwischt man zu Beginn einen besonders teuren Laden, der einem auch geschmacklich nicht zusagt. Weitersuchen! Die große Anzahl an fairen Läden will ausgekundschaftet werden. Und schon bald hast du deinen Lieblingsshop gefunden und wirst vielleicht sogar von Freunden gefragt, wo du das neue fancy Teil her hast!

Für zahlreiche weitere Läden und Bedürfnisse (etwa Läden für faire Baby- und Kinderkleidung und die Auswahl an fairen Kleidershops in den Bundesländern) empfehle ich die Homepage von Animal.Fair.

Viel Spaß beim Schmökern! 🙂

Deine Katharina

 



(1) Verein Animal.Fair (Hg.): Der ethische Einkaufsführer 2016. Fair-Ökologisch-Vegan, Wien 2016

(2) ebda., S. 78.

(3) ebda., S. 78.

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